Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie diese Website weiter nutzten, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Zwei Uhrmacher arbeiten zwei Wochen im „Katharinen-Palast“ in Zarskoje Selo

Bereits seit dem Jahr 2000 fahren regelmäßig im Sommer Gruppen von 6 – 8 Uhrmachermeistern
des FHU nach St. Petersburg, um im Schloss „Peterhof“ unentgeltlich historische Uhren zu reparieren. Für 2014 hat sich Einiges geändert. Das Werkstattgebäude dort wird grundlegend restauriert, so dass die Werkstatt für uns nicht mehr zur Verfügung steht. Zu unserer Überraschung, hat die Museums leitung uns dem Museum „Katharinen-Palast“ in Zarskoje Selo (Puschkin) empfohlen, welches gleich Kontakte zum FHU knüpfte. Im Juni 2014 bekam der FHU dann die Einladung für zwei Uhrmachermeister zur Arbeit im Palast der ehemaligen russischen Zarin Katharina II.. Dieser ist besonders bekannt durch das Bernsteinzimmer.

 

Am 11. August flogen wir, Bernhard Schmeltzer und Horst Tyczkowski, schließlich nach St. Petersburg. Am Flughafen wurden wir von Frau Tatjana Serpinski abgeholt. Sie brachte uns in unsere Unterkunft, das museumseigene nette kleine Hotel „Ekaterina“, gleich neben dem Schloss. Frau Serpinski würde unsere Ansprechpartnerin sein für die Zeit unseres Aufenthaltes. Sie spricht Englisch und ist im Museum zuständig für den Bereich Metall. Am nächsten Morgen holte Frau Serpinski uns im Hotel ab, um uns durch mehrere Sicherheitssperren in unsere Werkstatt in frisch renovierten Räumen im Obergeschoss des Schlosses zu bringen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind sehr umfangreich, und ohne Frau Serpinski und ihre Ausweise wären wir in den nächsten zwei Wochen nie an unsern Arbeitsort gelangt. Sie holte uns mittags zum Essen ab, brachte uns wieder zurück und holte uns auch abends aus der Werkstatt. Alle unsere Werkzeuge und unser Ersatzteillager aus „Peterhof“ waren schon hergebracht worden, so dass wir uns einrichten konnten. Was uns noch fehlte – Spiritus, Benzin zum Reinigen, usw. - besorgte uns Frau Serpinski umgehend. Sie hatte sehr viel Verständnis – auch technisches – für unsere Arbeit. Gleich brachte man auch die ersten Uhren, und los ging's mit der Arbeit

Die Uhren waren sicherlich mehrere Jahrzehnte nicht gelaufen und nicht gewartet worden. Im Gegensatz zu den gepflegt aussehenden Gehäusen waren die Werke in einem schlechten Zustand – verharzte Öle, Rost, ausgelaufene Lagerstellen, zu breite Zugfedern, fehlende Pendel usw... Täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr, außer Samstag und Sonntag, widmeten wir uns den Objekten und freuten uns immer, wenn diese wieder – tick-tack – Lebenszeichen von sich gaben. Für das Archiv des Museums fertigten wir zu jeder Uhr eine ausführliche Dokumentation an mit den festgestellten Mängeln und der ausgeführten Reparatur und machten Fotos dazu. Aber wir haben nicht nur gearbeitet. Auch unsere Freizeit war interessant ausgefüllt. Bei einer deutschsprachigen Führung durch den Katharinenpalast und den Park – nur für uns Beide -besichtigten wir die prunkvollen Räume des Schlosses und auch das seit einigen Jahren vollständig wieder hergestellte Bernsteinzimmer und streiften bei herrlichem Sonnenschein durch den großen Park mit seinen Sehenswürdigkeiten.

In der ersten Woche unseres Aufenthaltes besuchte uns im Rahmen ihrer Dienstreise die VizeDirektorin des Museums „Peterhof“, Dr. Tamara Nosovitch. Sie brachte uns eine russische Zeitschrift mit, in der von uns verfasste Artikel über Uhrenreparaturen veröffentlicht waren und lud uns ein, am Wochenende nach Peterhof zu kommen. Diese Einladung samt Freikarten zum Eintritt in Peterhofer Schlösser nahmen wir gern an, bestellten uns Sonntag ein Taxi und fuhren nach Peterhof. Beim Gang durch Parks und Schlösser kam manche Erinnerung an die dort verbrachten Aufenthalte hoch, und die Uhren in den Räumen, die wir ja alle kennen, tickten und schlugen zu unserer Begrüßung. Am zweiten Wochenende standen dann der Palast in Pawlowsk, in dem Zar Paul I. gelebt hat, und ein in Zarskoje Selo neu eingerichtetes Militärmuseum auf unserm Besuchsprogramm. Unsere deutsche Bezeichnung „Gulaschkanone“ führte im Militärmuseum zur allgemeinen Erheiterung.

Am Samstag vor unserer Abreise brachten wir die reparierten Uhren – insgesamt 6 Stück – wieder an ihre Plätze im Schloss, wo sie von nun an regelmäßig aufgezogen werden, damit sie mit ihrem Ticken und Schlagen die Besucher erfreuen.

Abends verabschiedeten wir uns bei einem gemeinsamen Abendessen von Tatjana Serpinski, mit der wir während der ganzen Zeit sehr gut zusammengearbeitet haben, und von beiden Seiten wurde der Wunsch geäußert, dass wir die Arbeit auch in Zukunft fortführen können. Am Sonntagmorgen besuchte uns schließlich noch die Vize-Direktorin des Museums „KatharinenPalast“, Frau Dr. I. Bott, in unserm Hotel. Sie spricht sehr gut Deutsch, bedankte sich für die von uns ehrenamtlich geleistete Arbeit, und auch sie würde sich freuen, wenn sich unsere Beziehung im nächsten Jahr fortsetzen ließe. Als Dank und zum Abschied überreichte sie jedem von uns einen umfangreichen Bildband über die Kunstschätze des „Katharinen-Palastes“. Wir betonten, dass uns die Arbeit Freude gemacht hat und wir gern wiederkommen würden. Unser Flugzeug zurück nach Deutschland hob am Montagmorgen, 25.08.2014, in Pulkovo ab. Damit sind zwei Wochen Arbeitseinsatz in Zarskoje Selo Geschichte. Sie waren für uns voller neuer Eindrücke, und wir haben wieder neue, nette Leute kennengelernt.

Horst Tyczkowski + Bernhard Schmeltzer